Donnerstag, 30. April 2009

Buchtipp (4)

Von der Vernichtung des Anderen

Boualem Sansals neuer Roman "Das Dorf des Deutschen" bricht Tabus

Wenn ein arabischer Autor über den Holocaust schreibt, ist das eigentlich schon Tabubruch genug. Wenn er dann auch noch hergeht und Parallelen zwischen der Mentalität der Nazis und der der radikalen Islamisten zieht, braucht es eine gehörige Portion Mut und literarischem Geschick. Der Algerier Boualem Sansal beweist in seinem neuesten Roman "Das Dorf des Deutschen" beides.
Er erzählt die Geschichte der beiden Brüder Rachel und Malrich. Aufgewachsen in einem kleinen algerischen Dorf leben sie in den Vorstädten von Paris. Ihr Vater ist Deutscher ihre Mutter Algerierin. Als die Eltern Opfer eines von Islamisten verübten Massakers werden, fährt Rachel zurück in die Heimat. Er findet einen Koffer voller Unterlagen, die für ihn alles zum Einstürzen bringen, an was er bisher geglaubt hat. Sein Vater Hans Schiller, oder Scheich Hassan, wie der ehemalige Ausbilder der algerischen Befreiungsarmee im Dorf genannt wird, war nicht nur der Held der algerischen Unabhängigkeit, als den ihn die beiden Söhne ein Leben lang respektierten und bewunderten. Er hatte ein schreckliches, wohlgehütetes Geheimnis. Hans Schiller war Mitglied der SS. Als Chemiker wurde er in den Vernichtungslager der Nazis eingesetzt und war damit am Tod von Hunderttausenden von Juden beteiligt.

Sansal bedient sich der Form des Tagebuchs. Er lässt Malrich, den Jüngeren der beiden, erzählen. Dieser stellt nach dem Tod seines Bruders seine eigenen Nachforschungen an. Die ungeheure Schuld des Vaters und die immer unerträglichere, alltägliche Situation in der Vorstadt, der Terror in der fernen Heimat, verweben sich zu einem fein abgestimmten Netz. Das Ergebnis ist ein Buch, das unbequeme Themen aufwirft und klare, und vor allem schmerzhafte Antworten einfordert.

"Da stehe ich vor dieser Frage, die so alt ist wie die Welt: Müssen wir Rechenschaft ablegen für die Verbrechen unserer Väter?" bohrt das grauenhafte Wissen in Rachel. Während er diese Frage mit Ja beantwortet und ihn die intensive Nachforschungen in völlige Verzweiflung und schließlich im Selbstmord stürzen, nimmt Malrich die Schuld des Vaters nicht an. Er nutzt die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit vielmehr, um im alltäglichen Konflikt mit den Islamisten in den Vorstädten zu bestehen und um sich das heutige Algerien zu erklären.

"Kannten die Autoritäten Papas Vergangenheit? (...) Und die Dorfbewohner?" lässt Sansal Malrich fragen. Anstatt eine klare Antwort zu geben, berichtet Malrich von seinen Jahren in der Jugend der FLN, der algerischen Einheitspartei berichten, wo er auf Hass gegen die Juden eingeschworen wurde - der Antisemitismus als Staatsdoktrin, die bei Teilen der Bevölkerung bis hin zur Identifikation mit den Nazis reicht.

"Das Dorf des Deutschen" zeigt das gefährliche Spiel des arabischen Nationalismus mit Antisemitismus und Nazismus auf. Die Geschichte des Deutschen Hans Schiller hat so oder so ähnlich zu Hunderten stattgefunden. Einer der Fluchtwege für gesuchte Nazischerken führte nach der Zerschlagung Hitlerdeutschlands über die Türkei nach Kairo. Wie Hans Schiller in Sansals Roman wurden sie dort oft von Geheimdiensten und Unabhängigkeitsbewegungen angeheuert. Dieses Thema ist bis heute ein Tabu in Ländern wie Ägypten oder Algerien.

Auch die Parallelen, die Sansal mit dem Islamismus zieht, zielen auf die Herrschenden in seinem Land Algerien. Zu lange habe sie die Radikalen gewähren lassen. Mit ihrer religiös motivierten Repression, sollten sie diejenigen niederhalten, die nach einer tatsächlichen Befreiung strebten. Ein teuflisches Spiel, dass Sansal immer wieder zum Thema seiner Arbeiten macht.

Sansals Buch ist aber auch eine Kritik an der fehlgeschlagenen Integrationspolitik in Frankreich. Die staatlichen Stellen schauen weg, als die Islamisten von ihren Kellermoscheen aus immer mehr die soziale Kontrolle über die Vorstädte gewinnen. "Ich sage mir, dass es unmöglich ist, aber wenn ich sehe, was die Islamisten bei uns und anderswo veranstalten, sage ich mir, dass sie die Nazis übertreffen werden, wenn sie eines Tages an der Macht sind. Sie sind erfüllt von Hass und von Anmaßung ...", warnt Sansal. Als letzter der bekannten Schriftsteller Algeriens, der seine Heimat nicht verlassen hat, weiß er von was er spricht.

Boualem Sansal: "Das Dorf des Deutschen", Roman, aus dem Französischen von Ulrich Zieger, 280 S., Ln., € 22,90 / sfrs. 41,50 ISBN 978-3-87536-270-1 Merlin Verlag, Gifkendorf, Mai 2009



Der Autor auf Lesereise:


08.06.2009 Kassel Universität (mit Prof. Werner Ruf)
09.06.2009 Berlin LCB
10.06.2009 Lüneburg Literaturbüro / Heine-Haus
11.06.2009 Hannover Literaturbüro / Künstlerhaus
12.06.2009 Bremen Buchhandlung Geist
13.06.2009 Tübingen Institut Francais
15.06.2009 Essen Institut Francais
16.06.2009 Köln Literaturhaus
17.06.2009 München Literaturhaus
18.06.2009 Stuttgart Institut Francais
19.06.2009 Heidelberg Literaturtage
20.06.2009 Frankfurt /M. N. N.

Mittwoch, 29. April 2009

Quadratisch, praktisch - gut? (3)

Dienstag, 28. April 2009

Rodin auf der Straße (2)

Das Caixa Forum in Madrid, ein Museum für moderne Kunst, gesponsert von der Sparkasse Caixa, feiert sein einjähriges Bestehen. Aus diesem Anlaß werden sieben Skulpturen von Auguste Rodin auf dem Platz vor dem Museum ausgestellt.

Montag, 27. April 2009

Bei Ratzingers daheim







Sonntag, 26. April 2009

Bella Italia

Samstag, 25. April 2009

4.010.700

Was die Regierung von José Luis Rodríguez Zapatero bisher strikt ausgeschlossen hat, ist eingetreten. Spanien hat mehr als vier Millionen Arbeitslose, ganz genau 4.010.700. Noch nie standen so viele Spanier auf der Straße. Und der Abwärtstrend geht weiter. Gewerkschaftsexperten befürchten, dass am Ende des Jahres fünf Millionen ohne Job sein könnten. Das wären über 20 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung. In über einer Million Haushalte hat kein einziges Familienmitglied Arbeit.

Donnerstag, 23. April 2009

Die Kleinen hängt man und die Großen ...

Spaniens Landwirtschafts- und Fischereiministerium möchte das seit 1988 gültige Küstengesetz durchsetzen. Das erste Opfer werden die Chiringuitos - Spaniens beliebte Strandbuden - sein. Wer weniger als 100 Meter vom Wasser entfernt Getränke verkauft, oder Hamburger und Fisch brät, muss mit einem Abrissbescheid rechnen.

Das gab jetzt der zuständige Staatssekretär Juan Carlos Martin Fraguiero bekannt. Die Proteste lassen nicht auf sich warten. Alleine in Andalusien leben mehr als 40.000 Menschen vom Hunger und Durst der Badegäste. 600 Millionen Euro werden jährlichen von den Chiringuitos verdient. Dies ist in Zeiten der Krise kein ganz unwichtiger Sektor. "Wir verlangen, dass unsere Lizenzen erneuert werden. Schließlich ist das seit Inkrafttreten des Gesetzes 1988 immer so gewesen", verlangt ein Sprecher des Verbandes der Strandbudenbesitzer. Wenn ihnen das Ministerium kein Gehör schenkt, wollen sie nach Madrid ziehen und dort in der Innenstadt Fisch braten.

Der Küstenschutz wurde vor zwei Jahren von der damaligen Umweltministerin Cristina Narbona wieder entdeckt. Sie grub das Gesetz aus dem Jahre 1988 aus und holte Informationen ein. Doch nicht etwa über Strandbuden, sondern über Hotelkomplexe und Siedlungen, die den Strand nicht respektieren. Erste Bescheide wurden zugestellt. Narbona machte sich mit dieser Politik mächtige Feinde. Vor einem Jahr gab der sozialistische Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero dem Druck nach und löste seine streitbare Umweltministerin ab. Das Ministerium wurde aufgelöst. Die Zuständigkeit fiel an die Ministerin für Landwirtschaft und Fischfang Elena Espinosa. Der Küstenschutz nahm eine unerwartete Wende. Die neue Zuständige nimmt die Chiringuitos und kleine Fischerhäuser ins Visier.

Auf der Insel Teneriffa rollten die Bagger bereits. Sie rissen eine kleine Siedlung armer Fischer aus den 50er Jahren ab. Die weißen Häuschen, die gerne auch von Touristen besucht wurden, waren zu nahe am Wasser gebaut.

Spaniens Umweltschützer wundern sich über diesen Tatendrang. Denn die großen Bausünder werden von Espinosa verschont. Der Abrissbescheid aus Narbonas Zeiten gegen ein Hotelbaustelle, die im Nationalpark Cabo de Gata in Südspanien den Küstenstreifen verletzt, wurde ausgesetzt. Das gleiche gilt für einen Ferienkomplex in Lanzarote, der den gesetzlich garantierten freien Zugang zum Strand versperrt und für zwei sich im Bau befindlichen 22-stöckigen Hoteltürme im Mittelmeerort Benidorm.

Doch die lautesten Klagen kommen aus den nordwest-spanischen Galicien. Dort entstand ein Block mit Luxuswohnungen mit herrlichem Blick ebenfalls zu nahe am Meer. Die Baugenehmigung wurde von einer sozialistischen Landesregierung erteilt. Die Bewohner der Einfamilienhäuser, denen durch den Block Sicht und Sonne verbaut wurde gehen auf die Barrikaden. Ihren Angaben nach gehören die meisten Wohnungen führenden Sozialisten. Die Wohnung mit einer geräumigen Dachterrasse und dem besten Meerblick soll kein anderer gekauft haben, als der enge Freund Zapateros und Minister für öffentliche Arbeiten José Blanco.

Mittwoch, 22. April 2009

Spaziergang durch Granada





Dienstag, 21. April 2009

Veleta (3396m)


Der Veleta ist der zweithöchste Berg in der spanischen Sierra Nevada. Vom Gipfel sieht man auf den Mulhacen, der mit seinen 3482m der höchste Berg der iberischen Halbinsel ist.

Montag, 20. April 2009

Straßenkünstler (38)

Sonntag, 19. April 2009

Madrid, Madrid, Madrid ... (18)

Samstag, 18. April 2009

Robin Hood der Banken

Nur auf den ersten Blick ist Enric Duran der Traum jeder spanischen Schwiegermutter. Glatt rasiert, das Haar ordentlich gekämmt, eher spießig gekleidet, eine sanfte aber entschlossene Stimme - das schafft Vertrauen.

Seit Mitte März sitzt Duran im Knast. Denn der 33 Jahre junge Mann aus Vilanova, einer Kleinstadt in Spaniens katalanischem Nordosten, hat in den letzten Jahren 39 Banken um insgesamt 492.000 Euro erleichtert. Nicht etwa mit der Pistole in der Hand. Das würde nicht zu Duran passen. Sondern mit dem Aktenkoffer unter dem Arm.

Enric Duran beantragte insgesamt 68 Kredite und zahlte sie dann ganz einfach nicht zurück. Mit dem Geld finanzierte er linke und alternative Projekte. "Robin Hood der Banken" nennen ihn die einen. Ein gefährlicher Betrüger ist er für die anderen. Wegen unterstellter Fluchtgefahr wird er das Gefängnis in den Monaten bis zur Prozesseröffnung wohl kaum verlassen. Wegen Betrug und Fälschung drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft.

In mehreren Videos, die auf Youtube zu finden sind, erklärt Duran seine Idee, berichtet von seinen Erfahrungen. "Das Finanzsystem ist wesentlich verletzlicher als wir denken," erklärt Duran und wirkt noch immer erstaunt. Seinen ersten Kredit beantragte der Studienabbrecher mit einer frei erfundenen Lebensgeschichte. "Guten Tag. Ich bin Informatiker und befinde mich in einem beruflichen Perspektivwechsel. Ich habe bisher in einer großen Firma gearbeitet und will mich jetzt selbstständig machen", spielte er die zuvor genau einstudierte Rolle. Es klappte. Duran unterzeichnete seine ersten 6.000 Euro auf Pump.

Einmal auf den Geschmack gekommen, beantragte er weitere Kredite, "immer mit der klaren Absicht, sie nicht zurückzuzahlen." Mal ging er als Unternehmer oder Freiberufler, mal mit gefälschtem Lohnzettel als gut verdienender Angestellter, der seine Wohnung renovieren müsse oder andere unvorhergesehene Ausgaben zu tätigen habe. Mit dem frischen Geld beglich er Raten der alten Kredite, um das System am Laufen zu halten. Nach einigen Monaten stellte er die Zahlung dann ein.

"Die Lawine wurde immer größer", berichtet Duran. Im September letzten Jahres beschloss er schließlich alles Geld abzuheben, umzuverteilen, und "die Aktion" wie er es nennt, öffentlich zu machen. In einem langen Text in der eigens gegründeten Zeitschrift Crisi mit einer Auflage von 250.000 Exemplaren beschrieb Enric Duran seinen Überfall aufs Finanzsystem. Während er längst irgendwo in Lateinamerika untergetaucht war, wurde die Zeitschrift überall in Katalonien kostenlos verteilt. An Geld fehlte es ja nicht.

Ein halbes Jahr später kam Duran zurück. Auf einer Pressekonferenz in der Universität von Barcelona stellte er sich der Polizei. Über sich selbst erzählt Duran nur wenig. "Früher spielte ich nur Tischtennis im Verein und trainierte die Jugend", erinnert er sich an sein Leben in der Kleinstadt. Über das Lesen sei er zum Entschluss gekommen, "etwas ändern zu wollen". Es zog ihn nach Barcelona, wo er schnell in den Kreisen der Globalisierungskritiker fand, was er suchte. Er beteiligte sich an der Kampagne für den Erlass der Auslandsschulden der armen Länder und arbeitete an verschiedenen Internetplattformen zur Verbreitung unterdrückter Nachrichten mit. Bald schon widmete er sich ganz der Politik: Gegengipfel der Globalisierungskritiker, Proteste gegen den Irakkrieg ...

"Doch irgendwann merkte ich, dass die sozialen Bewegungen nicht vorwärts kamen", erklärt Duran. So kam die Idee für den "solidarischen Betrug", wie er seine Aktion nennt. Der "Robin Hood der Banken", wie er von Spaniens Medien bald getauft wurde, sieht darin die Verschmelzung des zivilen Ungehorsams nach Gandhi mit der Tradition der "bewaffneten Enteignungen" der spanischen Anarchisten in den 1930er Jahren.

Duran möchte ein Beispiel geben, "dafür, dass wir besser und glücklicher leben können, wenn wir uns vom Individualismus, den das System geschaffen hat, entfernen". Der Angriff auf das Finanzsystem ist für ihn ein erster Schritt hin zum selbstbestimmten Leben. Das allerdings dürfte für ihn vorläufig hinter Gefängnismauern stattfinden.

Freitag, 17. April 2009

Trau keinem über 30?

Nicht wenn es sich um die taz handelt! Nach mehreren Nullnummern begann sie vor genau 30 Jahren täglich zu erscheinen. Bis heute ist sie "anders als alle andere". So manches Thema findet sich nur in der taz und sonst nirgends.

Und wer erinnert sich nicht an die außergewöhnlichen Titelblätter als Bush in Berlin den Bundestag besuchte, Merkel die Wahlen gewann, Ratzinger Papst wurde, oder Kliensmann von den Bayern gekreuzigt wurde ...

Auch 30 Jahre danach ist die taz noch immer eine Bereicherung auf jedem Frühstückstisch. Alles Gute für die nächsten 30!

Donnerstag, 16. April 2009

Ausgeschlängelt

Aguçadoura wurde vergangenen September mit großem Aufgebot vom portugiesischen Wirtschaftsminister Manuel Pinho eingeweiht. Das drei Meilen vor der Küste Nordportugals vertäute Wellenkraftwerk sei die erste kommerzielle Anlage seiner Art, verkündete der Politiker stolz und damit ein Symbol für die Inovation im Lande an der Argave. Die Kriegsmarine schipperte Spalier. Jetzt, nur ein halbes Jahr später ist der Traum geplatzt. Die drei Pelamis-Schnecken mit einer Gesamtkapazität von 2,25 MW liegen seit knapp vier Monaten auf Land. "Schaden in der Hülle", heißt die Diagnose. Das ginge eigentlich zu reparieren, gäbe es nicht ein weitaus schlimmeres Problem. Aguçadoura ist das Geld ausgegangen. Der australische Investor Babcock & Brown, der 77 Prozent des 9 Millionen Euro teuren Projektes finanziert hat, ist pleite. Keiner weiß so genau, ob es einen Rettungsplan gibt, und wie der aussehen wird. Nur eines scheint klar. Babcock & Brown wollen das Wellenkraftwerk abstoßen. Wer es kauft und zu welchem Preis, auch das steht nicht fest. Die Jahren der fetten Geldbeutel sind auch anderswo vorbei.

"Wir hängen völlig in der Luft", gesteht der Sprecher des schottischen Technologielieferanten Pelamis, Max Carcas, gegenüber der Presse. "Wir machen zwar Fortschritte, was die Finanzierung angeht, doch wir können die Anlage nicht zurück auf See bringen." Um von dem geplanten Ausbau auf 20 MW ganz zu schweigen. 25 weitere Generatoren sollten dazu für rund 60 Millionen Euro installiert werden. Natürlich fehlt jetzt auch dafür das Geld.

Portugals Pionierstellung in Sachen Wellenkraft läuft damit Gefahr. Denn längst wollen auch andere in die neue Technologie einsteigen. Im Februar unterzeichnete Pelamis mit Eon-UK, der britischen Tochter des deutschen Energieversorgers Eon, eine Vertrag. Ziel ist es ein kommerzielles Wellenkraftwerk zu entwickeln. Dabei sollen eine neue Generation von Schnecken zum Einsatz kommen. Statt 140 Meter wie in Portugal, werden sie 200 Meter lang sein.

Mittwoch, 15. April 2009

Gefahren der Semana Santa


Mancherorts finden so viele Prozessionen statt, dass dies zu einer echten Gefahr wird. Granada ist ein Beispiel dafür. Überall auf den Straßen befindet sich Wachs von den Kerzen der religiösen Osterumzüge. Die Reifen quietschen wie in einem Actionfilm - und das bei 30 km/h. "Schleudergefahr - Wachs auf der Fahrbahn", warnt deshalb dieses Schild im alten arabischen Viertel, dem Albaicín.

Dienstag, 14. April 2009

Nuestra Sra de la Soledad y del Desamparo (2)








Montag, 13. April 2009

Nuestra Señora de la Soledad y del Desamparo







Sonntag, 12. April 2009

Virgen Dolorosa

Die Prozession der Virgen Dolorosa im Stadtteil Huertas von Madrid ist etwas für Frühaufsteher. Sie beginnt am Karsamstag um 8 Uhr morgens. Deshalb ist sie wohl auch die kleinste und besinnlichste Prozession der Hauptstadt Spaniens.





Samstag, 11. April 2009

María Santisima Inmaculada Madre/ Madrid (2)





Freitag, 10. April 2009

Zu schön um wahr zu sein

Algeriens Präsident Bouteflika bekam, was er wollte. Der 72-Jährige wurde bei den Wahlen am Donnerstag mit 90,24 Prozent zum dritten Mal im Amt bestätigt. "Bitte blamiert mich nicht vor dem Ausland. Stimmt gegen uns, macht den Wahlzettel ungültig, aber geht wählen", hatte er immer wieder bei seinen Wahlkampfauftritten gefordert. Er wurde erhört. Die Wahlbeteiligung soll laut Innenministerium bei einer Rekordmarke von 74,54 Prozent gelegen haben.

Die restlichen fünf Kandidaten freilich schenken diesen Zahlen ebensowenig Glauben, wie die Beobachter der nationalen und internationalen Presse. Sie fanden allerorten leere Wahllokale vor. In einzelnen Wahlbüros der Hauptstadt Algier und in der Region der Berberminderheit, der Kabylei, sollen sich zur Mittagszeit gerade einmal 3 Prozent der Wahlberechtigten eingefunden haben. Die Urnen seien "geschwängert worden", protestiert die Opposition. Der Ausdruck steht in Algerien für die bei Wahlen immer wieder beobachtete Betrugsmethode, bereits gefüllte Urnen aufzustellen. Die Arabische Liga, die neben der Afrikanischen Union und der Islam Konferenz als Beobachter geladen war, sprach von "ruhigen Wahlen". Westliche Wahlbeobachter waren keine zugelassen.

"Bouteflika erhielt damit ein regelrechtes Plebiszit", schreibt El Watan eine der größten frankophonen Tageszeitungen des Landes auf ihrer Internetseite. Ein Blick auf die letzten Wahlen lässt die Rekordbeteiligung mehr als unglaubwürdig erscheinen. Vor fünf Jahren gingen gerade einmal 58 Prozent zu den Präsidentschaftswahlen und bei den Parlamentswahlen 2007 waren es nur 35,5 Prozent. Und selbst diese Zahlen sollen, so die Opposition, stark nach oben korrigiert worden sein.

Bouteflika, der eigens die Verfassung ändern ließ, um ein drittes Mal kandidieren zu können, hatte keine ernst zunehmenden Gegner. Die großen Oppositionsparteien, die Front der Sozialistischen Kräfte (FFS) und die Versammlung für Kultur und Demokratie (RCD), traten nicht an. Es handle sich um einen "Verfassungsputsch", begründet der RCD-Vorsitzende Said Sadi einen Boykottaufruf. "An so einer Wahl teilzunehmen bedeutet, Komplize zu sein bei einer Operation, die die ganze Nation beleidigt", fügt er hinzu.

So stellten sich nur fünf Kandidaten kleinerer Parteien zur Wahl. Die bekannteste unter ihnen ist Louisa Hanoune, Vorsitzende der trotzkistischen Arbeiterpartei (PT). Sie wurde mit 4,2 Prozent Zweite.

Die unabhängige Presse des Landes kritisierte die Wahlen bereits weit im Vorfeld. In der Verfassungsänderung, die Bouteflika eine dritte Kandidatur erlaubte, sehen sie eine Wiedereinführung der Präsidentschaft auf Lebenszeiten. Bouteflika, der sich im Wahlkampf als "Unabhängiger" darstellte, wurde von der ehemaligen Einheitspartei FLN sowie von Staatsapparat und Armee unterstützt.

Auch die bewaffneten Islamisten des nordafrikanischen Ablegers von Al Qaida riefen über das Internet zum Boykott. Bei einem Bombenanschlag auf ein Wahllokal wurden am Donnerstag zwei Polizisten verletzt./Foto: Agência Brasil/ Creative Commons License

María Santisima Inmaculada Madre/ Madrid










Donnerstag, 9. April 2009

Cristo de la Fe y del Perdón/ Madrid (2)








Mittwoch, 8. April 2009

Cristo de la Fe y del Perdón/ Madrid







Dienstag, 7. April 2009

Palmsonntag/ Madrid





Montag, 6. April 2009

Buchtipp (3)

Madrid ist eine geschwätzige Stadt. Und wo lässt sich diesem Laster besser fröhnen als bei Kaffee, Wein oder Bier. Zahlreiche Bars und Kaffeehäuser können sich ihrer Tertulias rühmen. Bei diesen geselligen Zusammenkünften wird über Gott und die Welt diskutiert. So manch alteingesessenes Etablissement hatte und hat die Großen der Kultur und Literatur unter den Gästen. Literaturnobelpreisträger José Camilo Cela verkehrte nicht nur im Café Gijón auf der Prunkstraße La Castellana, er widmete ihm mit "Der Bienenkorb" auch einen ganzen Roman. Das Café Comercial bei der U-Bahn-Station Bilbao nennt berühmte Opernstars seine Gäste. In der Alemana auf der Plaza Santa Ana plauderte Ernest Hemingway mit Stierkämpfern. Und im Libertad 8 im Stadtteil Chueca wurde so mancher Plan während der wilden Jahre der Movida, zu Zeiten des Übergangs von Diktatur zur Demokratie, geschmiedet. Das gut recherchierte Bändchen "Die Dichter von Madrid" des langjährigen Spanienkorrespondenten Werner Herzog lädt ein zu einem kulturellen Streifzug durch die spanische Hauptstadt.


Rotbuch Verlag
ISBN:978-3-434-54503-3
Paperback, 128 S.
9,20 Eur/ 17,00 CHF

Sonntag, 5. April 2009

Quadratisch, praktisch - gut? (2)


Ich habe die Makrofotografie entdeckt. Es macht Spass nahe ran zu gehen. Ein Stativ, ein paar Ziwschenringe und es tut sich eine ganz neue Welt auf.

Samstag, 4. April 2009

Madrid, Madrid, Madrid ... (17)



Freitag, 3. April 2009

Mabruk, Rafa!


Die Proteste haben etwas bewirkt. Der Spanier Rafael Marchante kann als Fotograf der Agentur Reuters in Marokko bleiben. Das Kommunikationsministerium hatte am 20. März angekündigt, ihm die Akkreditierung zu entziehen.

Mabruk! Glückwunsch!

Foto: Luis de Vega

Donnerstag, 2. April 2009

Wende im Baskenland

Patxi López nach dem Wahlsieg

Das Baskenland steht vor einer Wende. Die Sozialistische Partei des Baskenlandes (PSE), der regionale Ableger der in Madrid regierenden PSOE von José Luis Rodríguez Zapatero und die konservative Volkspartei (PP) unterzeichneten am Mittwoch ein Abkommen, um gemeinsam den Sozialisten Patxi López als ersten Nicht-Nationalisten zum neuen Chef der Autonomieregierung zu wählen. Damit wird die seit 27 Jahren regierende Baskisch Nationalistische Partei (PNV) auf die Oppositionsbank verbannt. Bei den Wahlen am vergangenen 1. März erhielt das nationalistische Lager nicht genügend Abgeordneten im Autonomieparlament, um weiter regieren zu können.

Der Pakt der beiden großen, spanienweiten Parteien sieht keine Koalitionsregierung vor. López verpflichtet sich stattdessen mit seiner Minderheitsregierung alle wichtigen Themen mit den Konservativen abzustimmen, bevor sie dem Parlament vorgelegt werden. Die Suche nach weiteren Unterstützern im sieben Parteien starken Parlament ist den Sozialisten unbenommen, aber nur wenn sie die Einigung mit der PP nicht verunmöglicht. Im Gegenzug PP verpflichtet sich die PP während der gesamten vierjährigen Legislatur an keinem Misstrauensvotum teilzunehmen.

Als erster Schritt werden PSE und PP am Freitag auf der konstituierenden Sitzung des neuen Autonomieparlaments die Konservative Arantza Quiroga zur Parlamentspräsidentin wählen. Erstmals wird damit eine Politikerin der Kammer vorstehen, die der baskischen Sprache nicht mächtig ist. Sie wird Sprachunterricht nehmen.

Inhaltlich wird sich unter Autonomiechef López einiges ändern. So verpflichten sich PSE und PP alle "Mittel des Rechtsstaates einzusetzen", um die bewaffneten Separatisten von ETA zu bekämpfen. Deren Umfeld soll künftig keinen Platz mehr im baskischen Fernsehen finden. Und Angehörige der ETA-Gefangenen werden anders als bisher nur dann öffentliche Gelder bekommen, wenn sie die Gewalt verurteilen. Öffentliche Ehrungen von Etarras werden strafrechtlich verfolgt und Straßen und Plätze, die nach Etarras benannt sind, müssen umbenannt werden. Stattdessen soll den bisher von der nationalistischen Regierung vernachlässigten ETA-Opfern mehr Beachtung geschenkt werden.

Auch in der Sprachpolitik wird es Änderungen geben. So verpflichtet sich López dazu, den Eltern die freie Wahl zu lassen, ob ihre Kinder auf Baskisch oder auf Spanisch eingeschult werden. Außerdem soll das Dekret, dass für viele Berufsgruppen das Baskische zur Pflichtsprache erhebt, überarbeitet werden.

Die Sprecherin, der sich noch im Amt befindenden PNV-Regierung, Miren Azkarate, verurteilt den Pakt zwischen PSE und PP. Es handle sich um "das Gründungsdokuments einer Frontregierung", die die Bevölkerung spalte, wirft sie López vor. Die nationalistischen Gewerkschaften gehen noch einen Schritt weiter. Sie kündigen für den 21. Mai – nur drei Wochen nach der Wahl von López zum Chef der Autonomieregierung - einen Generalstreik an. Sie wollen damit ihre Ablehnung eines "sozialen Dialogs" zum Ausdruck bringen, zu dem sich PSE und PP ebenfalls in ihrem Abkommen verpflichtet haben. "Dem Feind keine Luft", heißt die Parole, die bei den Nationalisten die Runde macht./Foto: PSE

Mittwoch, 1. April 2009

70 Jahre danach: Suche nach der Heimat


"Soweit weg, über Meere, Felder und Berge! Jetzt schauen andere Sonnen auf mein graues Haupt. Ich war nie in Granada. Mein graues Haupt, verlorene Jahre. Ich will die alten, verwischten Wege finden. Nie habe ich Granada gesehen", trauerte der spanische Dichter und Kommunist Rafael Alberti aus der Ferne des Exils seiner Heimat nach. Mehr noch als der Kampf für die Freiheit und gegen den verhassten Diktator Francisco Franco, war es das Heimweh nach dem verlorenen Land dort auf der Iberischen Halbinsel, was rund eine Million geflohene Spanier in Frankreich, Nordafrika und Lateinamerika einte. 70 Jahre nach Ende des Bürgerkrieges (1936-1939) ist dieses dunkle Kapitel für die meisten Spanier längst vergessene Geschichte. Nur bei denen, die Jahrzehnte fern der Heimat lebten, oder gar im Exil geboren wurden, kommt dieser Tage die Erinnerung hoch. Und mit ihr die Frage nach Spanien und ihrem Platz in einem Land, in dem sie nie wieder ganz angekommen sind.

"Ich saß in der erstne Maschine nach Francos Tod von Mexiko nach Madrid", erinnert sich Carlos Atienza. 27 lange Jahre im Exil lagen hinter ihm. "1944, als ich vier Jahre alt war, verließen meine Eltern Spanien", erzählt Atienza. Der Vater, Sozialist, nutze einen Hafturlaub, um zu Fuß über die Pyrenäen nach Frankreich zu entwischen. Die Mutter und mit ihr der kleine Carlitos machten sich in einem Fischerkutter bei Nacht davon. Der Großvater war gleich nach dem Krieg gegangen. Ein Onkel starb in der Haft unter Franco.

Carlos Atienza, Bauingenieur im Vorruhestand, widmet sich ganz seiner großen Leidenschaft: dem Schreiben. Seine Bücher drehen sich immer wieder um sein zerrissenes Leben. "Am Anfang, als kleines Kind, sind die Töchter und Söhne der Exilierten wie andere Kinder auch", berichtet er. Doch spätestens in der Schulzeit ändert sich das. Wie die Kinder von Immigranten auch, leben sie in zwei Kulturen. Im Falle Atienzas, der französischen und der spanischen. Seine Mutter erzählte ihm jeden Tag von der verlorenen Heimat, von Madrid, dem alten Stadtteil, den Nachbarn, der unweit gelegenen Stierkampfarena. "Wenn du dies akzeptierst, hast du plötzlich Wurzeln", weiß Atienza. Doch im Gegensatz zu den Immigranten, die nur etwas Geld brauchen um zurückzukehren, ist die "mentale Heimat der Eltern, die so auch zu meiner wurde" unerreichbar. "Du lebst in einer imaginären, fantastischen Welt". Als Jugendlicher begann sich Atienza politisch zu engagieren, natürlich in der Sozialistischen Jugend im Exil. "Plötzlich befindest du dich in der gleichen Situation wie deine Eltern, du lebst nicht wie bisher in Frankreich, sondern im Exil". Die meisten Freunde – und wie im Falle Atienzas – oft auch die Lebenspartnerin stammen aus dem gleichen Umfeld.

Von Frankreich ging er als frisch Verheirateter 1968 nach Mexiko Auch dort lebte er wieder im Kreise der Exilierten. "Dann kommt der lang ersehnte Tag. Du kehrst zurück in die Heimat", erinnert sich Atienza. Doch die Erinnerungen der Eltern, die eigenen Wünsche, sie alle existieren längst nicht mehr. "Uns war immer klar, dass wir eines Tages Spanien zurück zur Demokratie führen würden. Doch alles kam ganz anders, als wir im Ausland es uns gedacht haben", erzählt Atienza. Es waren die im "Innern", wie es im Exilspanisch heißt, die das Land veränderten. Der Diktator war 1975 ganz einfach im Bett gestorben. Das neue Staatsoberhaupt König Juan Carlos I. setzte auf Demokratie. Ein Teil der alten Eliten und des antifrankistischen Widerstands führten das Land durch die Transición, den Übergang. Die Zurückgekehrten nahmen teil, doch Wortführer sollten sie nicht werden.

Sie hätten es auch gar nicht gekonnt. "Bist du von hier? Wirklich?" wird Atienza bis heute immer wieder gefragt. Ein leichter Akzent, aus dem französisch übernommene Vokabeln, der anderer Sinn für Humor ... seine Gegenüber machen in ihm immer den Andersartigen aus. "Wenn bei einem Treffen mit Freunden jemand auf die Idee kommt ein Gedicht von Becquér oder Campoamor zu zitieren, bleibt dir nichts anderes übrig als mit Baudelaire oder Verlaine zu kontern. Und wenn Spanien gegen Frankreich spielt fieberst du mit Spanien und bekommst Gänsehaut bei der Marseillesse ..." Das Exil schaffe eine gewisse Schizophrenie: "Du bist dort und denkst an hier. Du bist hier und merkst, dass ein Teil von dir dort ist." Atienza ist dennoch bis heute in Spanien geblieben. So manch anderer schaffte den Weg zurück nicht. Entweder versuchten es erst gar nicht oder sie kamen und gingen wieder, wie der spanische Schriftsteller Jorge Semprún. Atienza kann das gut verstehen.

"Für meine Eltern war das Nach-Franco-Spanien ein Schock", erinnert sich Carmen Díaz. Die 62-jährige Tänzerin für spanischen und mexikanischen Tanz ist als Tochter kommunistischer Eltern, die in den letzten Kriegstagen flohen, in Mexiko geboren. Als Diktator Franco starb, kam die Familie voller Hoffnung zurück. "Doch das neue Spanien war so anders als das, was meine Eltern erwarteten", Sexpostillen, Drogen, Rockmusik, unverheiratete Pärchen ... sie gingen zurück ins moralischere Mexiko.

Nachdem ihre Eltern starben, machte sich Carmen Díaz vor sechs Jahren abermals auf den Weg über den Atlantik. "Es ist nicht leicht", erzählt sie. Dort war sie die "Españolita", hier die Mexikanerin. Ihr spanischer Akzent verrät sie. "Die Menschen reagieren seltsam auf mich, wenn ich meine Geschichte erzähle", meint Díaz. Neugierig oder zurückweisend, doch nie einfach offen. Díaz hat auch nach sechs Jahren keine spanischen Freunde in Madrid. Und obwohl ihr Herz links schlägt, ist für sie Spanien nicht die "Freiheit sondern Libertinage".
Und sie vermisst ihre Familie. Ein neues Gesetz erlaubt es jetzt auch ihrer Tochter und ihrem Sohn, die spanische Nationalität zu bekommen. Doch beide haben kein Interesse an einem Leben in Spanien. Ihre Tochter, die weiterhin in Mexiko lebt, wird den Pass erst gar nicht beantragen. Ihr Sohn nur, weil er damit als Arzt in Kanada weniger Probleme mit der dortigen Einwandererbehörde haben wird. So sitzt Carmen Díaz schon wieder auf den Koffern. Es soll in die USA gehen. Dort sei der Arbeitsmarkt für eine Tänzerin und Sängerin besser und die Kinder sind nicht so weit.

María Luisa Fernández, die einzige wirkliche Freundin, die Díaz in Madrid gefunden hat, teilt mit ihr das Schicksal des Exils. Die heute 70-Jährige war gerade einmal drei Wochen alt, als ihre Eltern, beide Sozialisten, bei Kriegsende von Barcelona nach Frankreich flohen. Nach dem Leben in einem Gefangenenlager und der Schulzeit in Frankreich kam Fernández mit ihrer Mutter 1955 ins Franco-Spanien zurück. "Sie nahmen mir meinen Namen", erzählt die weißhaarige Frau, die ihren französischen Akzent nicht verheimlichen kann. "Libertad" (Freiheit) hatte ihre Eltern sie in den letzten Kriegstagen voller Hoffnung genannt. María Luisa trugen die spanischen Beamten 16 Jahre später ins Geburtsregister der Sieger ein.

Lange hielt es Fernández im autoritären, engen und muffigen Spanien nicht aus. Zwei Jahre später zog es sie zurück nach Frankreich und von dort nach Deutschland und später nach Mexiko. Als junge Gewerkschaftsaktivistin arbeitete sie mit den Immigranten, die Franco-Spanien aus sozialer Not verließen. 1979 kam sie erneut in die Heimat ihrer Eltern. Sie schloss sich der wieder legalen Sozialistischen PSOE an, wo sie bis zur Rente als Funktionärin arbeitete.

Trotz der Entbehrungen und Leiden im Exil hegt sie keinen Groll. "Wir wurden mit Liebe und Sehnsucht für Spanien erzogen", erklärt Fernández. "Sonst wären wir wohl kaum zurückgekommen." Doch der Konflikt sei längst nicht überwunden. "Im Unterschied zu Deutschland wurde die Vergangenheit hier nie aufgearbeitet. Die Rechte zieht sich noch immer zurück und verteidigt den Putsch Francos und die Diktatur." "Revisionismus" nennt Fernández dies. Sie hofft, dass das von der Regierung des Sozialisten José Luis Rodríguez Zapatero erlassene Gesetz zur Geschichtlichen Erinnerung den Exilierten und anderen Opfern der Diktatur endlich "ihren Platz in der Geschichte Spaniens" geben wird.

Doch es gibt sie auch, die Zufriedenen. "All das Leiden hat sich gelohnt", erklärt Luis Azgarade. Frankreich, Mexiko, DDR, Kuba ... von 1939 bis 1976 lebte der heute 87-jährige Ingenieur, der noch immer der Kommunistischen Partei Spaniens angehört, im Exil. "Wir haben vieles verloren. Die Fahne der Republik, die Hymne, die Gerechtigkeit. Aber es hat sich gelohnt", erklärt Azgarade. "Heute leben wir in einer Demokratie. Letztendlich haben wir damit den Krieg gewonnen."