Waffelverkäufer - el Barquillero - auf dem Flohmarkt Rastro on Madrid.
Mittwoch, 31. Dezember 2008
Dienstag, 30. Dezember 2008
Montag, 29. Dezember 2008
Samstag, 27. Dezember 2008
Freitag, 26. Dezember 2008
Donnerstag, 25. Dezember 2008
Strom aus dem Meer
Spaniens zweitgrößten Energieversorger Iberdrola zieht es aufs Meer. Das Unternehmen baut in Pasaia, im nordspanischen Baskenland, ein Wellenkraftwerk. 4,5 Millionen Euro wird das Pilotprojekt kosten. Zusammen mit den Technologieverbund Tecnalia soll in den nächsten Monaten eine Testboje im Maßstab von 1:4 vor der Küste verankert werden. Die längliche Boje ist ein Minikraftwerk, das durch den Wellengang Strom erzeugt. Nach einer mehrmonatigen Testphase wird dann das eigentliche Wellenkraftwerk entstehen. Es wird eine Kapazität von 500 KW haben, genug, um 950 Haushalte mit Strom zu versorgen.
Dies soll nur der Anfang sein. Falls alles läuft wie vorgesehen, will Iberdrola weitere Bojen installieren. Joseba Jaureguizar, der Generaldirektor von Tecnalia, glaubt fest daran, dass bereits in zehn Jahren sieben Prozent des baskischen Energiebedarfs mittels Wellenkraftwerken gedeckt werden kann.
Es ist das dritte Pilotprojekt zur Energiegewinnung mit Hilfe der Bewegung des Atlantiks, das Iberdrola unterhält. Die beiden anderen Standorte befinden sich in Santoña an der kantabrischen Küste, westlich des Baskenlandes, und vor den schottischen Orkney-Inseln.
Jedes der drei Pilotprojekte nutzt eine andere Technik. In Pasaia wippt der Kopf der Boje durch den Wellengang auf und ab und erzeugt so den Strom.
In Santoña werden Bojen benutzt, die einen 20 Meter langen Zylinder vertikal im Wasser halten. In diesen Zylindern befindet sich eine Vorrichtung, die das Auf und Ab der Wellen in elektrische Energie umgewandelt. Im Frühjahr wurde damit begonnen vier Kilometer vor der Küste zehn Bojen der Marke OPT aus den USA mit jeweils 125 KW zu verankern. Santoña ist damit das bisher größte Wellenkraftwerk in Europa.
In Schottland geht es nicht um die Wellen, sondern um die Grundströmung des Atlantiks, die so genannte Dünung, die durch die Gezeiten entsteht. Dazu kommen vier 160 Meter langen Pelamis-Generatoren, die so genannte Seeschlangen, zum Einsatz. Jeder von ihnen hat eine Kapazität von 750 KW.
Dies soll nur der Anfang sein. Falls alles läuft wie vorgesehen, will Iberdrola weitere Bojen installieren. Joseba Jaureguizar, der Generaldirektor von Tecnalia, glaubt fest daran, dass bereits in zehn Jahren sieben Prozent des baskischen Energiebedarfs mittels Wellenkraftwerken gedeckt werden kann.
Es ist das dritte Pilotprojekt zur Energiegewinnung mit Hilfe der Bewegung des Atlantiks, das Iberdrola unterhält. Die beiden anderen Standorte befinden sich in Santoña an der kantabrischen Küste, westlich des Baskenlandes, und vor den schottischen Orkney-Inseln.
Jedes der drei Pilotprojekte nutzt eine andere Technik. In Pasaia wippt der Kopf der Boje durch den Wellengang auf und ab und erzeugt so den Strom.
In Santoña werden Bojen benutzt, die einen 20 Meter langen Zylinder vertikal im Wasser halten. In diesen Zylindern befindet sich eine Vorrichtung, die das Auf und Ab der Wellen in elektrische Energie umgewandelt. Im Frühjahr wurde damit begonnen vier Kilometer vor der Küste zehn Bojen der Marke OPT aus den USA mit jeweils 125 KW zu verankern. Santoña ist damit das bisher größte Wellenkraftwerk in Europa.
In Schottland geht es nicht um die Wellen, sondern um die Grundströmung des Atlantiks, die so genannte Dünung, die durch die Gezeiten entsteht. Dazu kommen vier 160 Meter langen Pelamis-Generatoren, die so genannte Seeschlangen, zum Einsatz. Jeder von ihnen hat eine Kapazität von 750 KW.
Mittwoch, 24. Dezember 2008
Und morgen ist alles vorbei
Nein, leider nicht. In Spanien ist Drei König das wichtigste Fest in der Weihnachtszeit. Wie einst das Baby in der Krippe, werden dann die Kinder beschenkt. Dank der Europäisierung Spaniens gibt es mittlerweile in vielen Familien am Heilig Abend Geschenke. Nicht anstatt Drei König, sondern zusätzlich. Dies ist eine der Erklärungen dafür, warum jede/r der 40 Millionen SpanierInnen über die Festtage mehr als 800 Euro ausgibt.
Dienstag, 23. Dezember 2008
Leiden unter Besatzung und Exil
Der neueste Westsahara-Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) ist deutlich. "Marokko verstößt gegen die Meinungs-, Versammlungs- und Organisationfreiheit" in der seit 1975 besetzten ehemaligen spanischen Kolonie Westsahara. Das 216 Seiten starke Dokument mit dem Titel "Menschenrechte in der Westsahara und in den Flüchtlingscamps in Tindouf" wurde vergangenen Freitag in der marokkanischen Hauptstadt Rabat vorgestellt. "Jegliche Opposition gegen die Kontrolle Marokkos über das umstrittene Gebiet wird als illegaler Angriff auf die 'territoriale Integrität' Marokkos angesehen. Dies dient dazu, alle friedlichen Demonstrationen zu verbieten oder aufzulösen und den Menschenrechtsorganisationen einen legalen Status vorzuenthalten", heißt es in der Erklärung mit der HRW den Bericht präsentierte.Die Polizei misshandle Menschen, die für die Unabhängigkeit des Gebietes an der afrikanischen Nord-West-Küste eintreten. Anzeigen wegen Folter und Misshandlung würden nicht ordentlich untersucht und regelmäßig niedergeschlagen. "Dies erweckt den Eindruck völliger Straffreiheit der Polizei." Die marokkanische Justiz habe Menschenrechtsaktivisten unter "zweifelhafter Beweislage" zu langen Haftstrafen verurteilt.
Erstmals untersuchte HRW auch die Lage in den Flüchtlingslagern nahe der südalgerischen Stadt Tindouf, in denen seit den 70er Jahren rund 200.000 Sahrauis leben. Die Befreiungsbewegung Polisario, die die Lager kontrolliert, "lässt Kritik der Flüchtlinge an der Verwaltung und an alltäglichen Problemen zu, aber drängt diejenigen an den Rand, die sich ihrer Führung widersetzen". Die Bewohner der Camps können nach Angaben von HRW frei reisen, "selbst dann, wenn sie in die von Marokko besetzte Zone zurückkehren wollen". Dennoch würden die Flüchtlinge unter der Isolierung eines seit mehr als 30 Jahren anhaltenden Exils leiden.
HRW hebt positiv hervor, dass ihre Delegation sowohl von den zuständigen Regierungsstellen in Marokko als auch von der Regierung der Polisario in Tindouf empfangen wurde und frei arbeiten durfte. Die Abgesandten interviewten auf beiden Seiten zahlreiche Sahrauis.
HRW spart nicht mit Kritik an den Vereinten Nationen, die seit 1991 einen Waffenstillstand zwischen Marokko und der Polisario überwachen. Die Friedensmission müsse auf die Einhaltung der Menschenrechte bestehen. "Praktisch alle Friedensmissionen der UNO überwachen die Menschenrechte. (...) Die Westsahara darf da keine Ausnahme sein."
Von Marokko verlangt HRW die "Abschaffung der Gesetze über die territoriale Integrität", die "Zulassung unabhängiger Menschenrechtsorganisation" sowie eine "unabhängige Justiz. Die Polisario müsse ihrerseits "Alternativen zu ihren Plänen" zulassen./ Karte: Wikimedia Commons
Meine Meinung
Opfer schwerwiegender Interessen
Der von der internationalen Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch vorgelegten Bericht zur Westsahara überrascht nicht weiter. Der Konflikt um die von Marokko besetzten, ehemalige spanische Kolonie hält seit über 30 Jahren an. Es ist damit nach Palästina und Israel eine der ältesten Auseinandersetzungen um ein Territorium. Rund 200.000 Flüchtlinge leben seit den 70er Jahren in Camps in einer unwirtlichen Landschaft. Und wer nicht geflohen ist, leidet unter Repression und Apartheid seitens der marokkanischen Besatzer.
Doch anders als Palästina ist die Westsahara nicht im Bewusstsein der internationalen Öffentlichkeit. Selbst die ehemalige spanische Kolonialmacht tut nichts, um den Konflikt zu lösen, den sie durch ihren Rückzug kurz vor dem Tod von Diktator Francisco Franco 1975 überhaupt erst verursacht hat. Seit 1991 die Befreiungsbewegung Polisario und Marokko einen Waffenstillstand geschlossen haben, überwacht die UNO einen Staus Quo und der zementiert die aussichtslose Lage für die Sahrauis. Das damals beschlossene Referendum über die Zukunft des Landstrichs im Nord-Westen Afrikas wurde bis heute von Marokko erfolgreich verschleppt. Frankreich und auch Spanien unterstützen das autoritäre Königreich. Schließlich ist es ein wichtiger Handelspartner aber auch ein wichtiger Kollaborateur wenn es um die Abwehr von Immigranten aus Afrika geht. Außerdem war Marokko von jeher ein strategischer Verbündeter für Europa und die Nato an der Einfahrt zum Mittelmeer.
Es sind schwerwiegende Interessen, denen das Schicksal von ein paar Hunderttausend Sahrauis geopfert wird. "Hätten wir ähnlich wie die PLO internationale Anschläge verübt, säßen wir schon längst an den wichtigen Verhandlungstischen dieser Welt", erklärte mir gegenüber einmal ein verzweifelter Polisario-Funktionär in den Camps in Tindouf. Die Realität gibt ihm leider Tag für Tag erneut recht.
Montag, 22. Dezember 2008
¡Buena Vista!
Sonntag, 21. Dezember 2008
Navidad (6)

Madrid erstrahlt weihnachtlich. Dieses Jahr wurden 2,5 Millones Glühbirnen aufgehängt. Das sind 500.000 mehr als im vergangenen Jahr. Die Kosten für den Zauber: 4,6 Millionen Euro, 600.000 Euro mehr als 2007. Obwohl die Lampen stromsparend sind, verbrauchen sie 2.470.000 kWh. Spanien verfehlt auch dieses Jahr das Kioto-Abkommen mehr als jedes andere Land in Europa. Der Klimawandel wünscht Frohe Weihnachten.
Samstag, 20. Dezember 2008
Freitag, 19. Dezember 2008
Donnerstag, 18. Dezember 2008
¡Adiós Franco!
Die letzte große Reiterstatue des ehemaligen spanischen Diktators Francisco Franco wurde heute morgen im nordwestspanischen Santander vom Sockel geholt. Um 9 Uhr 30 in der früh rückten ein Kran und ein Schwertransporter an. Das Denkmal, das den 1975 verstorbenen General in einer Pose zeigt, wie sie normalerweise nur Königen und Kaisern zusteht, zierte seit 1964 den Rathausplatz der Heimatstadt des größten spanischen Geldinstitutes, der Banco Santander. Es endete damit am hellichten Tag, was vor drei Jahren bei Nacht und Nebel in Madrid begann. Dort stand vor einem Gebäudekomplex, der mehrere Ministerien beherbergt, eine exakte Kopie der Bronzestatue aus Santander. Sie wurde auf Anordnung der Regierung unter José Luis Rodríguez Zapatero in eine Lagerhalle der Stadtverwaltung gebracht. Weitere Statuen folgten überall im Lande.Ein unter den Sozialisten erlassenes "Gesetz zur historischen Erinnerung" besagt, dass alle Symbole der Diktatur aus dem öffentlichen Leben zu verschwinden haben. Neben den Statuen des Diktators, der 1936 gegen die demokratische Ordnung putschte und damit einen dreijährigen Bürgerkrieg auslöste, betrifft dies auch Gedenktafeln und Straßennamen. Der Rathausplatz in Santander wurde erst 2001 umbenannt. Bis dahin hieß er Platz des Generalisimo, Titel, den sich General Franco einst selbst verpasst hatte.
Auch die Statue aus Santander verschwindet jetzt in einer Lagerhalle. Dort soll sie auf die Eröffnung eines Regionalmuseums warten, in dem sie dann ausgestellt wird. Zusammen mit der Statue ließ die konservative Stadtverwaltung auch ein Wappen der von Franco gestürzten Republik entfernen. Dies stieß auf Unverständnis bei den Angehörigen der Opfer der Diktatur.
Nach dem Denkmalsturz in Santander gibt es in Spanien nur noch eine kleine Franco-Statue. Sie steht im Hafen der spanischen Exklave in Nordafrika, Melilla, und zeigt den General in der Uniform der Truppen in Nordafrika. Doch auch ihre Tage sind gezählt. Der Stadtverwaltung hat bereits beschlossen, sie abmontieren zu lassen.
Erst vor einem Monat war dem Ex-Diktator die Ehrenbürgerschaft seines nordspanischen Geburtsortes Ferrol entzogen worden.
Es waren nicht nur die Statuen, die dem Diktator gedachten. Bis zur Einführung des Euros war Francisco Franco in Spanien omnipräsent. Alle trugen ihn im Geldbeutel mit sich herum. Auch wenn nach und nach immer mehr Münzen mit dem Konterfei von König Juan Carlos I. geprägt wurden, gab es sie noch, die Münzen mit dem "Führer Spaniens durch Gottes Gnaden".
Mittwoch, 17. Dezember 2008
Für den öffentlichen Dienst
Ob Schulen oder Krankenhäuser, ob Sozialdienste oder Kultur, die Regierungschefin des Landes Madrid, Esperanza Aguirre, privatisiert alles. Gestern gingen Tausende von Beamten und Angestellten des öffentlichen Dienstes gegen diese neoliberale Politik auf die Straße. (siehe auch den Post: Neoliberales Schulsystem)



Dienstag, 16. Dezember 2008
Online auf der Straße
Die spanische Telefongesellschaft Telefónica möchte einen Toten zu neuem Leben erwecken. Die gute alte Telefonzelle soll flächendeckend zum Internetterminal umfunktioniert werden und damit die spanischen Kunden, die dank des Handys seit Jahren ausbleiben, wieder anlocken. In den letzten Jahren nutzen meist nur noch Touristen und Immigranten die 50.000 spanischen Kabinen. Künftig soll ein Bildschirm das Surfen auf der Straße ermöglichen. Gleichzeitig arbeitet Telefónica an einem Projekt, dass die Telefonzellen zu Wifi-Knotenpunkte umwandeln soll. In einem Umkreis von 25 Metern wird dann das Surfen mit einem eigenen Wifi-tauglichen Handy oder den Notebook möglich sein.Telefónica verspricht sich davon neue Einnahmen. Die Chancen, Nutzer zu finden, sind gut. Denn nur nur 42 Prozent der Spanier haben einen Internet-Anschluss zu Hause. Damit liegen sie 12 Punkte hinter dem EU-Schnitt und sogar 29 Prozent hinter Deutschland. Auf die Frage, wer das Internet regelmäßig nutzt, antworten 54 Prozent der Spanier positiv. Wer keinen Anschluss sein eigen nennt, surft auswärts. Dies sind die Kunden, die Telefónica im Auge hat.
Der Hauptkonkurrent für das Projekt ist der Internetanschluss am Arbeitsplatz. Ob Chat, email oder das Herunterladen von Musik und Filmen, so mancher Angestellte und Beamte sitzt stundenlang in eigener Sache vor dem Bildschirm. Drei Viertel derer, die email am Arbeitsplatz haben, nutzen ihre Dienstadresse für private Zwecke. 23 Prozent suchen regelmäßig nach den neuesten Nachrichten, 11 Prozent googeln nach Produktinformationen und 6,5 Prozent gönnen sich schon mal ein Päuschen auf einschlägigen Seiten. Durchschnittlich verbringen Spaniens Beamten und Angestellten wöchentlich eine halbe Stunde für Privates am Firmencomputer.
Doch diese Fluchten aus der Arbeitswelt in die virtuelle Welt werden immer gefährlicher. Wurde das private Surfen am Arbeitsplatz vom Chef ausdrücklich verboten, reicht eine Verfehlung für eine Kündigung, so die Rechtssprechung. Die Vorgesetzten dürfen gar die email ihrer Angestellten öffnen, sofern ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass es sich um ein Arbeitsmittel handelt und nicht um eine persönliche Adresse.
Die Telefonzelle gegenüber könnte deshalb schon bald ein beliebter Platz für die Mittagspause werden.
Montag, 15. Dezember 2008
Filmtipp der Woche (7)
PlutónBRBNero ist das neueste Werk des spanischen Regisseurs Álex de la Iglesia (El Día de la Bestia, Aktion Mutante, Ein ferpektes Verbrechen, ...). Jede Woche strahlt "La 2" des spanischen Fernsehens TVE ein Kapitel der skurilen Weltraumserie aus. Die Idee ist einfach: Die Erde ist durch den Klimawandel unbewohnbar geworden. PlutónBRBNero sucht einen neue Bleibe für die Menschheit. Online gibt es die Kapitel, die längst Kult sind, unter: http://pluton.rtve.es/
Sonntag, 14. Dezember 2008
Samstag, 13. Dezember 2008
Haftstrafen für Gewerkschafter
Tunesiens Präsident Ben Ali lässt keine Proteste zu. Wer es dennoch wagt, muss mit hohen Haftstrafen rechnen. Dieses Schicksal ereilte am Donnerstagabend 33 Gewerkschaftsaktivisten aus der Bergarbeiterstadt Gafsa im Südwesten Tunesiens. Sie müssen für zwei bis zehn Jahre hinter Gitter. Fünf weitere wurden freigesprochen.
Die Verurteilten waren Anfang des Jahres nach sozialen Unruhen in der phosphatreichen Region verhaftet worden. Auslöser der friedlichen Demonstrationen war ein Einstellungsverfahren bei der verstaatlichten Phosphatgesellschaft CPG im Januar gewesen. Bei der Auswahl der Bewerber in der von hoher Arbeitslosigkeit betroffenen Region seien nur Günstlinge der Leitung berücksichtigt worden, beschwerten sich die Arbeiter. Der Generalsekretär des Ortsverbandes der weitgehend staatlich kontrollierten Gewerkschaft UGTT und jetzige Hauptangeklagte, Adnane Haji, bestätigte die Vorwürfe.
In den folgenden Monaten kam es immer wieder zu Demonstrationen gegen die zunehmende Arbeitslosigkeit und die steigenden Lebensmittelpreise. In Gafsa sind 30 Prozent der Bevölkerung ohne Arbeit. Die Polizei ging immer härter gegen die Protestierenden vor. Als im April drei Jugendliche von der Polizei erschossen wurden, und über 140 Verhaftete in Schnellverfahren zu harten Strafen verurteilt wurden, geriet die Situation außer Kontrolle.
Die 38 Angeklagten in dem aktuellen Verfahren, die seit 4. Dezember vor Gericht standen, sollen die Protestbewegung angeführt haben. Sie gehören fast alle der Gewerkschaft UGTT an. Der Hauptangeklagte Adnane Haji und fünf weitere Beschuldigte wurde zu je zehn Jahren verurteilt. Alle 33 wurden für schuldig befunden, einer kriminellen Vereinigung angehört zu haben. Diese sei für "Attentate gegen Sachen und Personen" sowie für einen "bewaffneten Aufstand" und "öffentliche Unruhen" verantwortlich. "Die Angriffe gegen öffentliche und private Gebäude wurden minutiös vorbereitet und ausgeführt" und seien deshalb ein "Aktionsplan, um zum zivilen Ungehorsam und zur Rebellion aufzurufen". Laut Polizei sollen die Verurteilten Molotowcocktails geworfen haben.
Außerdem wurden zwei im Ausland lebende Tunesier in Abwesenheit verurteilt. Der Korrespondent des in Italien ansässigen tunesischen Oppositionssenders al-Hiwar erhielt 12 Jahre Haft und der Vorsitzende eines Unterstützerkomitees für die Bewohner von Gafsa in Frankreich, Mohieddine Cherbib, zwei Jahre. Sie sollen die "kriminelle Bande" unterstützt haben.
Bei der Urteilsverkündung kam es zu Protesten seitens der Anwälte, als die Richter sich weigerten, ärztliche Atteste zuzulassen, die eindeutige Beweise für Folterungen der Angeklagten lieferten. Die Sitzung wurde daraufhin unterbrochen, der Saal geräumt. Als das Verfahren am Nachmittag wieder aufgenommen wurde, zogen die Richter unter dem Schutz einer Polizei-Hundertschaft in den Saal ein.
Gegenüber der ausländischen Presse sprachen die Anwälte von einem "Scheinprozess". Das Urteil sei "ohne Plädoyer der Anwälte und ohne Vernehmung der Angeklagten" gefällt worden.
Das Verfahren löste zahlreiche internationale Proteste aus. Ende November, wenige Tage vor dem Prozessauftakt, reiste eine Delegation französischer Abgeordneter verschiedener linker Parteien nach Gafsa. Amnesty International verlangt eine unabhängige Untersuchung der Foltervorwürfe.
Freitag, 12. Dezember 2008
Es muss nicht immer Leica sein
... sagte sich in den 50er Jahren so mancher und griff zur Braun Paxette. Das Design ist unschlagbar. Und der Preis lag mit 213 Mark für die hier gezeigte Kombination bei einem Drittel der damaligen Leica-Modelle. "Volksschullehrer-Leica" wurde diese Kamera deshalb gerne genannt. Heute kostet diese alte Dame rund 30 Euro in ebay und ist damit eine der billigsten Möglichkeiten in die Messsucherfotografie einzusteigen. Ein Hingucker ersten Ranges ist die Paxette allemal.
Donnerstag, 11. Dezember 2008
Denk mal (4)
Der ältste Baum Madrids steht im Parque del Buen Retiro. Es handelt sich um eine mexikanische Sumpfzypresse (Taxodium mucronatum), auch Montezuma-Zypresse, oder Ahuehuete genannt. Der über 340 Jahre alte Baum ist 40 Meter hoch. Sein Stamm hat einen Durchmesser von sechs Metern. Es rankt sich so manche Legende um die Ahueheute im Retiro. Als die Franzosen unter Napoleon 1808 die spanische Hauptstadt besetzten, holzten sie alle Bäume bis auf besagte Alhuehuete ab. Der Baum mit seinen mächtigen Astgablen soll als Stand für ein Geschütz gedient haben.
Mittwoch, 10. Dezember 2008
Erneuter Schlag gegen ETA
Aitzol Iriondo war nur kurz im Amt. Vor drei Wochen trat er die Nachfolge des damals verhafteten Militärchefs "Txeroki" der baskischen Separatistenorganisation ETA an. Am Montagnachmittag gegen 18 Uhr ereilte den 31-Jährigen das gleiche Schicksal. Die französische Gendarmerie nahm ihn zusammen mit zwei seiner engsten Mitarbeiter in Gedre, unweit von Lourdes, fest. Um 23 Uhr gingen der spanischen Polizei drei weitere Etarras in die Fänge, als sie nach Spanien zurückkehren wollten.Seit Februar 2007 prangte Iriondos Foto auf dem Fahndungsplakat der meistgesuchten ETA-Mitglieder. Der junge Mann, der der ETA seit 2002 angehört und damals nach der Verhaftung eines engen Freundes nach Frankreich flüchtete, kann auf eine ansehnliche Geschichte in der Separatistenbewegung zurückblicken. 1994 wurde er erstmals im Alter von 17 Jahren nach einer gewalttätigen Demonstration festgenommen. 2001 soll er dann von der ETA ausgebildet worden sein. In einer Unterstützergruppe, die dem Kommando in seiner Heimatstadt San Sebastián zuarbeitete, habe er, so die Ermittler, seine ersten Sporen verdient.
In den folgenden Jahren soll Iriondo an mehreren Attentaten gegen nicht nationalistische Gemeinderäte im Baskenland beteiligt gewesen sein. Außerdem wird ihm zur Last gelegt, Bombenanschläge gegen öffentliche Einrichtungen angeordnet zu haben. Die französische Polizei untersucht zudem, wer von beiden Militärchefs an der Ermordung von zwei spanischen Polizeibeamten vergangenen Dezember in Südfrankreich beteiligt war. Zwar prahlte "Txeroki" damit, doch die Beschreibung von Augenzeugen passe wesentlich mehr auf Iriondo, heißt es.
Der letzte Anschlag der ETA - der einzige unter der Führung Iriondos - galt Mittwoch vergangener Woche dem Chef eines Unternehmens, das am Bau des baskischen Hochgeschwindigkeitszuges beteiligt ist. Der 71-Jährige wurde auf offener Straße erschossen. Die ETA hatte wiederholt erklärt, der Zug, der die drei baskischen Provinzhauptstädte verbinden wird und die Region im spanischen Norden überdies per Hochgeschwindigkeit an Madrid und Frankreich anschließen soll, sei "nicht im Interesse des Baskenlandes".
"Falls jemand daran denkt, Iriondo zu ersetzen, wir suchen ihn schon", erklärte der spanische Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba nach dem Fahndungserfolg. Die ETA-Führung wird immer öfter Ziel polizeilicher Operationen. In nur vier Jahren gelangen der französischen und spanischen Polizei zehn wichtige Schläge gegen die Spitze der Separatisten. Die spanischen Medien vermuten, dass es dem Innenministerium vor geraumer Zeit gelungen ist, Informanten in die ETA einzuschleusen. Offen ist nun, wer die Führung der ETA übernimmt. Laut spanischem Innenministerium sollen sich zwei Gruppen um die Kontrolle der Organisation streiten. Der harte Flügel, dem "Txeroki" und Iriondo angehörten, lehne erneute Verhandlungen mit der Regierung strikt ab. Während eine Gruppe aus Veteranen genau dies zum Ziel haben soll./Foto: Web Ertzaintza
Dienstag, 9. Dezember 2008
Real Madrid in der Krise
Real-Madrid-Fans: Ein Bild aus besseren Tagen.Es war das Ende eines turbulenten Wochenendes für den Vorsitzenden von Real Madrid, Ramón Calderón. "Rücktritt! Rücktritt!" schallte es dem 57-Jährigen, der seit 2006 dem spanischen Rekordmeisters vorsteht, am Sonntag im heimischen Stadion entgegen. Seine Königlichen verloren 3:4 gegen den FC Sevilla. Nach einer ganzen Reihe schwacher Leistungen gegen zweitrangigen Clubs wie Getafe, Valladolid oder Almería muss sich die Elf aus der Hauptstadt mit Platz fünf der Tabelle zufrieden geben. Real Madrid liegt damit nur eine Woche vor dem alljährlichen Spitzenspiel gegen den FC Barcelona neun Punkte hinter den Katalanen. Im Pokal sind die Weißen bereits im Achtelfinale gegen den Drittligisten Real Union Irún ausgeschieden. Und in der Champions League kann Real mit der bisher gezeigten Leistung nur durch ein Wunder die nächste Runde überstehen.
Der Unmut gegen Calderón machte sich lange vor dem Anpfiff Luft. Real Madrid hatte am Wochenende über 1000 Wahlmänner zu einer Versammlung gerufen. Es war ein Spektakel ohnegleichen. Zwar erzielte der Vorstand eine knappe Mehrheit für die Entlastung des Kassenwarts und für den neuen Vereinshaushalt, doch die Spaltung innerhalb der Mitgliedschaft war so deutlich spürbar wie schon lange nicht mehr. Der Vorstand Calderóns füllte die Zuschauerränge mit treuen Anhängern und radikalen Fanclubs. Jeder kritische Beitrag wurde niedergebrüllt, die Forderung nach einer Abstimmung an den Urnen statt mit erhobener Hand, wurde selbst dann noch abgelehnt, als sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Kritikern und Unterstützern abzeichnete. Nach Angaben des Vorstands hat der spanische Rekordmeister bei einem Umsatz von knapp 370 Millionen Euro einen Gewinn vor Steuern von 51 Millionen Euro erzielt. Der Kassenbericht sei geschönt, behauptet die Opposition.
"Das Geld gehört nicht auf die Bank, sondern aufs Spielfeld", lautete die Kritik eines der Delegierten, mit dem er vielen Madridistas aus der Seele spricht. Für die Kritiker haben Calderón und sein Sportdirektor Petja Mijatovic im Sommer beim Einkauf sträflich versagt. Sie konzentrierten sich ganz auf dem Portugiesen Cristiano Ronaldo. Doch dieser blieb am Ende bei Manchester United. Einen Plan B hatte Calderón nicht. Außerdem verließen wichtige Spieler wie der Brasilianer Robinho den Club. Das rächt sich jetzt. Trainer Bernd Schuster hat eine zu dünne Personaldecke. Wenige schwere Verletzungen, wie die des Torjägers Ruud van Nistelrooy, sind nicht zu kompensieren, zumal Calderón auch den Nachwuchs vernachlässigt. Anstatt die jungen Spieler an die erste Mannschaft heranzuführen, werden sie an andere Vereine verliehen. Dies ist ein Erbe aus der Zeit des Vorgängers Calderóns, Florentino Pérez. Er wollte eine "galaktische" Mannschaft voller großer Namen.
Schuster soll sich, so die Sportpresse, wegen dieser Personalpolitik wiederholt mit Mijatovic gestritten haben. Vergebens. Auch der Neuzugang des niederländischen Nationalspielers Klaas-Jan Huntelaar von Ajax Amsterdam, der vergangene Woche der Presse vorgestellt wurde, dürfte das Dilemma kaum beheben. Zumal der ehemalige Ajax-Stürmer noch immer einen Bänderriss am linken Fußgelenk auskuriert.
"Was für ein Tag", stöhnte gestern die spanische Sportzeitung AS. El País sieht gar einen "Madrid im freien Fall" und El Mundo spricht von "Anzeichen für eine Kapitulation". Keiner traut Schuster und den Seinem mehr zu, die Pechsträhne des Real Madrid zu beenden. Es liegen Welten zwischen dem unkoordinierten Spiel der Königlichen und dem brillanten Fußball von Tabellenführer FC Barcelona. "Keine Mannschaft spielt so gut, keine hat diese Präzision, diesen Vorwärtsdrang und diesen Siegeshunger", schreibt das ansonsten Real-Madrid-treue hauptstädtische Sportblatt Marca. Und auch Trainer Schuster scheint die Ehrfurcht vor dem nächsten Gegner gepackt zu haben. "Es ist unmöglich beim Barcelona zu gewinnen. Wir werden versuchen einen guten Eindruck abzugeben. Mehr ist nicht drin", erklärte der Real-Coach nach der Heimniedelage gegen Sevilla am Sonntag. Heute kostete ihn das seinen Job.
Der Unmut gegen Calderón machte sich lange vor dem Anpfiff Luft. Real Madrid hatte am Wochenende über 1000 Wahlmänner zu einer Versammlung gerufen. Es war ein Spektakel ohnegleichen. Zwar erzielte der Vorstand eine knappe Mehrheit für die Entlastung des Kassenwarts und für den neuen Vereinshaushalt, doch die Spaltung innerhalb der Mitgliedschaft war so deutlich spürbar wie schon lange nicht mehr. Der Vorstand Calderóns füllte die Zuschauerränge mit treuen Anhängern und radikalen Fanclubs. Jeder kritische Beitrag wurde niedergebrüllt, die Forderung nach einer Abstimmung an den Urnen statt mit erhobener Hand, wurde selbst dann noch abgelehnt, als sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Kritikern und Unterstützern abzeichnete. Nach Angaben des Vorstands hat der spanische Rekordmeister bei einem Umsatz von knapp 370 Millionen Euro einen Gewinn vor Steuern von 51 Millionen Euro erzielt. Der Kassenbericht sei geschönt, behauptet die Opposition.
"Das Geld gehört nicht auf die Bank, sondern aufs Spielfeld", lautete die Kritik eines der Delegierten, mit dem er vielen Madridistas aus der Seele spricht. Für die Kritiker haben Calderón und sein Sportdirektor Petja Mijatovic im Sommer beim Einkauf sträflich versagt. Sie konzentrierten sich ganz auf dem Portugiesen Cristiano Ronaldo. Doch dieser blieb am Ende bei Manchester United. Einen Plan B hatte Calderón nicht. Außerdem verließen wichtige Spieler wie der Brasilianer Robinho den Club. Das rächt sich jetzt. Trainer Bernd Schuster hat eine zu dünne Personaldecke. Wenige schwere Verletzungen, wie die des Torjägers Ruud van Nistelrooy, sind nicht zu kompensieren, zumal Calderón auch den Nachwuchs vernachlässigt. Anstatt die jungen Spieler an die erste Mannschaft heranzuführen, werden sie an andere Vereine verliehen. Dies ist ein Erbe aus der Zeit des Vorgängers Calderóns, Florentino Pérez. Er wollte eine "galaktische" Mannschaft voller großer Namen.
Schuster soll sich, so die Sportpresse, wegen dieser Personalpolitik wiederholt mit Mijatovic gestritten haben. Vergebens. Auch der Neuzugang des niederländischen Nationalspielers Klaas-Jan Huntelaar von Ajax Amsterdam, der vergangene Woche der Presse vorgestellt wurde, dürfte das Dilemma kaum beheben. Zumal der ehemalige Ajax-Stürmer noch immer einen Bänderriss am linken Fußgelenk auskuriert.
"Was für ein Tag", stöhnte gestern die spanische Sportzeitung AS. El País sieht gar einen "Madrid im freien Fall" und El Mundo spricht von "Anzeichen für eine Kapitulation". Keiner traut Schuster und den Seinem mehr zu, die Pechsträhne des Real Madrid zu beenden. Es liegen Welten zwischen dem unkoordinierten Spiel der Königlichen und dem brillanten Fußball von Tabellenführer FC Barcelona. "Keine Mannschaft spielt so gut, keine hat diese Präzision, diesen Vorwärtsdrang und diesen Siegeshunger", schreibt das ansonsten Real-Madrid-treue hauptstädtische Sportblatt Marca. Und auch Trainer Schuster scheint die Ehrfurcht vor dem nächsten Gegner gepackt zu haben. "Es ist unmöglich beim Barcelona zu gewinnen. Wir werden versuchen einen guten Eindruck abzugeben. Mehr ist nicht drin", erklärte der Real-Coach nach der Heimniedelage gegen Sevilla am Sonntag. Heute kostete ihn das seinen Job.
Montag, 8. Dezember 2008
Der Schuldenberg
Wer an den Kiosk geht, bemerkt es sogleich. Spaniens größte Tageszeitung, El País und mit ihr der Medienkonzern Prisa, kämpfen gegen die Krise an. Das Blatt, das für die Demokratie nach dem Tod von Diktator Francisco Franco steht, wie kein zweites, ist so dünn, wie im Sommerloch. Der Grund: Seit Jahresbeginn verlor die Zeitung 20 Prozent der Werbeeinnahmen. El País wird damit 2008 wohl erstmals in ihrer 32-jährigen Geschichte rote Zahlen schreiben.
"Es wird an allen Ecken und Enden gespart", beschwert sich ein Redakteur. 70 der über 1200 Beschäftigte wurden in den vergangenen Monaten in den Vorruhestand geschickt, darunter 20 Redakteure. Einzelne Abteilungen sollen ausgegliedert werden. Angeblich existiert eine Liste mit über 100 altgedienten Federn, die die Redaktion verlassen sollen. Darunter sollen sich selbst Startkolumnisten der ersten Stunde befinden. In der Redaktion selbst wird das Budget immer enger. Die Redakteure werden immer seltener auf Reisen geschickt. Von außen werden immer weniger Texte zugekauft. Und die Freien, die nach wie vor bei El País veröffentlichen, werden unter Druck gesetzt, damit sie einen Pauschalvertrag unterzeichnen. Die monatliche Summe liegt dabei weit unter dem, was sie bisher für ihre Artikel erhielten.
Wer sich im Hause umhört, bekommt ständig die gleichen Klagen zu hören: "El País ist die goldene Kuh, die vom gesamten Konzern gemolken wird." Anstatt sich auf das gut funktionierende Kerngeschäft – Zeitung, Radio und Verlage – zu konzentrieren, baute die Familie Polanco, der die El País und die Gruppe Prisa mehrheitlich gehört, ihre Präsenz im TV-Markt aus. Eine Serie von Fehlentscheidungen bringen Prisa jetzt in Schwierigkeiten. Der Konzern gestand bei der Aktionärsversammlung vergangenen Freitag 5 Milliarden Euro Schulden ein. Zudem verlor die Aktie des Konzerns, der in 24 Ländern aktiv ist, in diesem Jahr 80 Prozent ihres Wertes. Die Schulden übersteigen damit den Börsenwert von Prisa um ein Dreifaches.
Obwohl der Vorstandsvorsitzende bei Prisa und einstige Chefredakteur der El País, Juan Luis Cebrián, auch für dieses Jahr Gewinne des Gesamtkonzerns prophezeit, zwingt der Schuldenberg zu "Sparmaßnahmen". Insgesamt sollen die Ausgaben um fünf Prozent gesenkt werden, "ohne die Qualität der Produkte zu beeinflussen". Außerdem kündigt Cebrián weitere "Desinvestition" an. Das bedeutet die Schließung und den Verkauf unrentabler Konzernzweige.
Als erstes trifft es Localia. Das Lokalfernsehen mit Niederlassungen in den meisten großen Städten Spaniens wird zum Jahresende schließen. "Zu wenig Werbung", lautet die lapidare Begründung. 300 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Prisa steigt ebenfalls bei mehreren spanischen Regionalzeitungen aus.
Doch der größte Brocken stellt die TV-Produktionsgesellschaft Sogecable dar. Sie ist Eigentümer des offenen Kanals Cuatro und des Pay-TV Digital+. Während der fünf Jahre alte Sender Cuatro langsam aber stetig in der Zuschauergunst steigt, stagniert Digital+ seit Jahren bei zwei Millionen Abonnenten. Das Pay-TV lebt hauptsächlich von den Fußballübertragungen. Doch in den letzten beiden Spielzeiten überträgt auch ein offener Konkurrenzsender Spitzenspiele. Dies ist ein herber Schlag für Digital+. Jetzt will Prisa das einstige Prestigeprojekt verkaufen.
Die spanische Telefongesellschaft Telefónica, die in den Anfangszeiten des Pay-TV eine eigene Plattform unterhielt, und der Eigentümer des französischen Canal+, Vivendi, scheinenan Digital+ interessiert zu sein. Doch wurden sie sich bisher mit Prisa über den Preis nicht einig. Prisa wolle 2,8 Milliarden Euro, heißt es in der Fachpresse. "Wird das jemand zahlen, wo doch der gesamte Prisa-Konzern nur 1,5 Milliarden wert ist?", fragt sich die spanische Wirtschaftszeitung Negocios.
"Es wird an allen Ecken und Enden gespart", beschwert sich ein Redakteur. 70 der über 1200 Beschäftigte wurden in den vergangenen Monaten in den Vorruhestand geschickt, darunter 20 Redakteure. Einzelne Abteilungen sollen ausgegliedert werden. Angeblich existiert eine Liste mit über 100 altgedienten Federn, die die Redaktion verlassen sollen. Darunter sollen sich selbst Startkolumnisten der ersten Stunde befinden. In der Redaktion selbst wird das Budget immer enger. Die Redakteure werden immer seltener auf Reisen geschickt. Von außen werden immer weniger Texte zugekauft. Und die Freien, die nach wie vor bei El País veröffentlichen, werden unter Druck gesetzt, damit sie einen Pauschalvertrag unterzeichnen. Die monatliche Summe liegt dabei weit unter dem, was sie bisher für ihre Artikel erhielten.
Wer sich im Hause umhört, bekommt ständig die gleichen Klagen zu hören: "El País ist die goldene Kuh, die vom gesamten Konzern gemolken wird." Anstatt sich auf das gut funktionierende Kerngeschäft – Zeitung, Radio und Verlage – zu konzentrieren, baute die Familie Polanco, der die El País und die Gruppe Prisa mehrheitlich gehört, ihre Präsenz im TV-Markt aus. Eine Serie von Fehlentscheidungen bringen Prisa jetzt in Schwierigkeiten. Der Konzern gestand bei der Aktionärsversammlung vergangenen Freitag 5 Milliarden Euro Schulden ein. Zudem verlor die Aktie des Konzerns, der in 24 Ländern aktiv ist, in diesem Jahr 80 Prozent ihres Wertes. Die Schulden übersteigen damit den Börsenwert von Prisa um ein Dreifaches.
Obwohl der Vorstandsvorsitzende bei Prisa und einstige Chefredakteur der El País, Juan Luis Cebrián, auch für dieses Jahr Gewinne des Gesamtkonzerns prophezeit, zwingt der Schuldenberg zu "Sparmaßnahmen". Insgesamt sollen die Ausgaben um fünf Prozent gesenkt werden, "ohne die Qualität der Produkte zu beeinflussen". Außerdem kündigt Cebrián weitere "Desinvestition" an. Das bedeutet die Schließung und den Verkauf unrentabler Konzernzweige.
Als erstes trifft es Localia. Das Lokalfernsehen mit Niederlassungen in den meisten großen Städten Spaniens wird zum Jahresende schließen. "Zu wenig Werbung", lautet die lapidare Begründung. 300 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Prisa steigt ebenfalls bei mehreren spanischen Regionalzeitungen aus.
Doch der größte Brocken stellt die TV-Produktionsgesellschaft Sogecable dar. Sie ist Eigentümer des offenen Kanals Cuatro und des Pay-TV Digital+. Während der fünf Jahre alte Sender Cuatro langsam aber stetig in der Zuschauergunst steigt, stagniert Digital+ seit Jahren bei zwei Millionen Abonnenten. Das Pay-TV lebt hauptsächlich von den Fußballübertragungen. Doch in den letzten beiden Spielzeiten überträgt auch ein offener Konkurrenzsender Spitzenspiele. Dies ist ein herber Schlag für Digital+. Jetzt will Prisa das einstige Prestigeprojekt verkaufen.
Die spanische Telefongesellschaft Telefónica, die in den Anfangszeiten des Pay-TV eine eigene Plattform unterhielt, und der Eigentümer des französischen Canal+, Vivendi, scheinenan Digital+ interessiert zu sein. Doch wurden sie sich bisher mit Prisa über den Preis nicht einig. Prisa wolle 2,8 Milliarden Euro, heißt es in der Fachpresse. "Wird das jemand zahlen, wo doch der gesamte Prisa-Konzern nur 1,5 Milliarden wert ist?", fragt sich die spanische Wirtschaftszeitung Negocios.
Sonntag, 7. Dezember 2008
Samstag, 6. Dezember 2008
Filmtipp der Woche (6)
Sollen Schwule und Lesebn heiraten dürfen? Der Streit in Kalifornien musikalisch aufgearbeitet: "Prop 8 - The Musical" starring Jack Black, John C. Reilly, and many more...
See more Jack Black videos at Funny or Die
Freitag, 5. Dezember 2008
Abfallprodukt Energie
166 MW sind bereits installiert. 75 Prozent davon entfallen auf Anlagen, die das Gas der spanischen Mülldeponien verwerten. Der Rest verarbeitet meist Abfälle aus der Viehzucht. Bis 2010 fehlen 84 MW, um das Dekret zu erfüllen. Doch der Markt gebe viel mehr her, ist sich Turmo sicher. Er geht davon aus, dass Spanien mindestens das 500 MW an Energie aus Biogas produzieren kann. Das sind lukrative Zukunftsaussichten, die vor allem Unternehmen aus Mittel- und Nordeuropa – die dort seit Jahren Erfahrungen mit Biogas gesammelt haben - anziehen Unter ihnen befinden sich die deutschen Biogas-Nord und EnviTec Biogas.
Biogas Nord hat sich in der Mittelmeerstadt Valencia niedergelassen. Das Unternehmen konzentriert sich hauptsächlich auf die Rückstände aus der Lebensmittelproduktion und auf Klärschlämme. EnviTec spezialisiert sich mit einer Filiale im Baskenland auf Rückstände aus der Viehzucht.
Seit vergangenem Jahr engagiert sich die spanische Politik verstärkt in der Forschung im Bereich Biogas. Neben kleinen, von den Regionalregierungen unterstützten Projekten, beschäftigt sich vor allem das Forschungsinstitut der spanischen Lebensmittelindustrie AINIA mit dem Thema. "Wir haben hier in Spanien Rückstände, die die technologischen Marktführer im Norden nicht kennen", erklärt der Leiter der AINIA-Umweltabteilung, Andrés Pascual. Er denkt dabei vorallem an Rückstände der Zitrusfrüchte, die er zur Zeit erforscht. Pascuals Vorzeigeprojekt ist der Zusammenschluss ProBiogás, in dem neben AINIA Unternehmen, öffentliche Forschungsinstitute sowie Universitäten mit von der Partie sind. Das Ministerium für Wissenschaft und Forschung unterstützt das Projekt mit fünf Millionen Euro.
"Eines unserer Hauptprojekte ist eine genaue Bestandsaufnahme der anfallenden Produktionsrückstände", erklärt Pascual. Eine Abfallkarte Spaniens soll zeigen, wo Fruchtfleisch aus der Herstellung von Säften, Rückstände aus der Konservenproduktion und Überschüsse aus dem Anbau von Obst und Gemüse sowie tierische Abfällen und Glyzerin aus der Biodieselgewinnung anfallen, und in welchen Mengen. "Dies sind die Hauptrohstoffe für die Biogasproduktion in Spanien", erklärt Pascual, für den selbst die 500 MW mögliche Kapazität, von denen APPA spricht, niedrig gegriffen sind./ Foto: Alex Marshall, Clarke Energy, Wikimedia Commons.
Donnerstag, 4. Dezember 2008
Mittwoch, 3. Dezember 2008
Dienstag, 2. Dezember 2008
¡Viva la Movida!
Movida nannte sich die musikalische und kulturelle Bewegung in Madrid in den Jahren nach dem Tod des Diktators Francisco Franco. Kaka de luxe, Alaska y los Pegamoide, McNamara & Almodovar oder Radio Futura sind nur einge der Namen jener Zeit. Längst Geschichte? Nein, wie das folgende Beispiel aus dem heutigen Madrid beweist: Voyeur-Destroyeur
Montag, 1. Dezember 2008
Navidad (2)

Keine Vorweihnachtszeit ohne Cortylandia. Seit Generationen besuchen die Familien in Madrid mit ihren Kinder das Kaufhaus El Corte Inglés in der Innenstadt. Über die gesamte Fassade wird jedes Jahr Ende November eine Märchenwelt aufgebaut. Zweimal am Tag bewegen sich die Figuren zu Musik. Eine sonore Stimme erzählt ein Weihnachtsmärchen - zugeschnitten auf das Kaufhaus versteht sich.
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